Positionierung Juni 2019

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Juni 2019

Geschwisterlichkeit als Weg zum Frieden in der Welt

Im Februar 2019 unterschreibt Papst Franziskus und der Großscheich der Kairoer al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, der oberste Lehrer des sunnitischen Islam, das „Dokument von Abu Dhabi“ in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emiraten. Es gilt als ein Meilenstein in den katholisch-islamischen Beziehungen. Der bedeutende Schriftsatz wurde in den Monaten vor der Reise des Papstes in dieses mehrheitlich islamische Land in vorher geheim gehaltenen Bemühungen Satz für Satz peinlich genau überlegt. Es ist eine „Erklärung zur Geschwisterlichkeit unter den Menschen“, die dem Frieden in der Welt und der Erhaltung der Schöpfung dienen möchte. Der Text lässt alte Frontstellungen hinter sich und schlägt einen neuen Ton der Nähe und Verbundenheit an, der ihn zu einem „Text für alle“ macht.

Am „Dokument von Abu Dhabi“ lobt der muslimische Theologe Adnane Mokrani vor allem, dass es vor allem auf die Jugend setzt: „Junge Leute sind der Motor von Veränderung, die Hoffnung auf Zukunft; sie wollen Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, volle staatsbürgerliche Rechte. Da entsteht ein neues Bewusstsein. Dagegen sehen wir vor allem in der arabischen Welt zerbrechliche, konservative Regierungen, die sich nur mühsam etwas nach außen öffnen.“

Was den künftigen interreligiösen Dialog betrifft, rät der Muslim dazu, vor allem nach Möglichkeiten gemeinsamen Engagements zu suchen: „Nicht fragen, was die anderen so machen. Die eigentliche Frage ist: Was können wir zusammen tun, was ist unsere gemeinsame Verantwortung? Von anderen keine Wunder erwarten. Der Text sollte unser Programm, unsere Vision sein – ein Programm für die Zukunft. Das Thema der Freiheit, der Überwindung des Minderheiten-Denkens zugunsten einer vollen Staatsbürgerschaft – das ist ein Zukunftsthema für Orient wie Okzident.“

Mokrani lobt in dem Dokument vor allem, dass es den Gehorsam gegenüber Gott – zentral im islamischen Denken – eng mit der Nächstenliebe, wie Christen sie betonen, zusammenbringt: „Gott dienen bedeutet, den Menschen dienen, vor allem den Schwachen; den Menschen dienen bedeutet, die grundlegenden Werte lebendig zu machen. Das ist also komplementär. Gott braucht nämlich unseren Dienst eigentlich nicht, man dient ihm daher am besten in den Schwachen, und der Dienst an den Schwachen ist der reale Ausdruck gelebter Werte.“

Dies klingt fast so, als wenn Mokrani die Gedanken von Mutter Marie Therese kennen würde, die sie bewogen hat, das nach wie vor segensreich wirkende Sozialwerk mit seinem Dienst an schwerstpflegebedürftige Menschen ins Leben zu rufen. Der alle Werte umfassende Zentralwert ist die Liebe.

Bei der Gründung des „Ordo Communionis in Christo“ am 8. Dezember 1984 in Mechernich in der Eifel hat Mutter Marie Therese aus ihrer tiefen Verbundenheit mit Christus, dem Menschenfreund und Erlöser aller Menschen, alles auf die eine Karte der gelebten Gottes- und Nächstenliebe gesetzt. In der Einladung Jesu dazu seien alle Gesetze und übrigen Gebote nicht nur aufgehoben, sondern erfüllt. Die gelebte Gottes- und Nächstenliebe sei das Reformprogramm der Kirche im Licht des II. Vatikanischen Konzils. Sie sei ein Weg für alle Menschen, damit Versöhnung unter den Völkern und Friede auf Erden würde. So überschreibt sie „die Ordensregel der Communio in Christo als ein Weg für alle“ mit dem schlichten Wort „Die Nachfolge Christi“. Es geht ihr letztlich um die Communio, zutiefst um die Communio in Christus.

 
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