Positionierung Juni 2018

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Juni 2018

Auge um Auge, Zahn um Zahn . . .

Landläufig sind Kinder im Katechismusunterricht lange gelehrt worden, „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ sei ein unchristlicher Grundsatz, ein alttestamentarisches Synonym für Rache. Wenn einer Dir ein Auge ausschlägt, dann musst Du ihm auch ein Auge ausschlagen. Und mit den Zähnen verhält es sich genauso!

Schaut man in die weite Welt, findet man die Annahme bestätigt: Allerorten wird im Namen der Religion gemordert, geplündert, geraubt und vergewaltigt. Wieder sind es nicht nur Soldaten, die im Krieg stehen, sondern Zivilisten, Kinder, Jugendliche, alte Frauen und greise Männer.

Sie sterben in Syrien, in Afghanistan, im Gazastreifen, und in vielen Ländern Afrikas und Asiens werden Konflikte – zum Teil seit Jahrzehnten – mit militärischer Gewalt ausgetragen –, und kleine Kinder und ganze Familien kommen zwischen die Fronten von Rebellen und Regierungstruppen. Man nimmt ihnen ihr junges Leben, obwohl sie nichts dafürkönnen. Auge um Auge, Zahn um Zahn . . .

Dabei sind die Worte der älteste bekannte juristische Grundsatz für die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Die Formulierung ist Teil eines Rechtssatzes aus dem Sefer ha-Berit (hebr. Bundesbuch) in der Tora für das Volk Israel (Ex 21,23–25 EU): „… so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“

Es ist ein Plädoyer für die Abkehr von Blutrache und Fememorden: Wenn einer Deine Tochter entführt, dann darfst Du dafür nicht die ganze Familie des Entführers ausrotten. Auge um Auge heißt: Wenn einer Dich unhöflich behandelt oder Dich beleidigt, dann darfst Du ihn meinethalben auch „anpampen“, was ihm eigentlich einfällt, sich so schofelig aufzuführen. Aber Du sollst ihm dafür keine runterhauen – oder es ihm – egal wie – heimzahlen.

In der Antike bedeutete das: Wenn einer Dir den Esel stiehlt, darfst Du den Dieb dafür nicht verfolgen und töten. Du darfst nur das von ihm zurückverlangen, was er Dir genommen hat. Nicht mehr. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ bedeutet: Nicht ein Menschenleben für ein Auge.
Jesus setzt den alten Rechtsgrundsatz fort, er entwickelt ihn weiter, für uns, eine sich weiter entwickelnde Menschheit. Und zwar aufgrund der Erkenntnis: Den Splitter im Auge deines Nächsten siehst Du, den Balken in Deinem eigenen nicht . . .

Und deshalb fordert Jesus uns auf: Wenn Dich einer auf die eine Wange schlägt, halte ihm auch die andere hin. Ist das nicht übertriebene Demut, Unterwürfigkeit unter die Knute? Nein, es ist ein Plädoyer, nicht nachzukarten, nicht mit aller Macht und aller Gewalt zurückzuschlagen. Druck erzeugt Gegendruck, Gewalt erzeugt neue Gewalt, Racheakte bekommen augenblicklich Junge.

So ist es letztendlich auch mit der Feindesliebe. Wenn Jesus sagt, wir sollen unsere Feinde lieben, dann verfolgt er damit keinen chancenlosen Appell an unser Gefühlsleben. Ich schwacher Mensch kann von einem Augenblick zum anderen keinen lieben, gegen den sich mein ganzes Inneres empört. Ich kann mich nicht zwingen, zu lieben, was ich hasse.

Aber Jesus fordert mich auf, gleichmütig zu bleiben, geduldig, nicht zurückzuschlagen, für meine Verfolger zu beten und mich nicht ewig dranzuhalten und Konflikte neu zu befeuern.
Mutter Marie Therese spricht von der Liebe als dem Raum, in dem wir leben: „Die Liebe setzt keine Grenzen und hebt auch jene nicht ab, die uns unsympathisch sind. Ihr Maß ist maßlos, und selbst wenn im Menschen ihre Vollkommenheit fehlt, ist sie im Bezeugen immer mit dem Gebot Christi verbunden.“

Die Gründung der Communio in Christo sei die Antwort auf ein Wissen, das die ganze Kirche und alle Konfessionen umfasse, „damit die Liebe so verstanden wird, wie sie von Gott ausgeht und sich in uns einheitlich erfüllen will. Gott will in uns und in der Welt so gegenwärtig sein, dass es uns nicht mehr schwerfällt, alles geheiligt zu sehen.“

Bis heute habe man sich keine Gemeinschaft wie die Communio in Christo vorstellen können, in der alle Religionen Platz finden. Das Christentum sei unbestreitbar der wahre Glaube, so Mutter Marie Therese: „Worin aber anders bezeugt sich das Christentum als in der Liebe? Welche andere Bindung weist es noch auf als die Bindung zwischen Gott und Mensch? Das große Vorbild Jesus Christus gibt nur ein Gebot zum Einhalten, das Gebot der Liebe: ‚Du kannst unmöglich Gott lieben, wenn Du Deinen Nächsten nicht liebst.‘“

 
www.communio-in-christo.deOrden Communio in Christo: Bruchgasse 14, 53894 Mechernich
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