Positionierung Februar 2019

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Februar 2019

Am Ende siegt die Liebe

Die katholischen Christen und nicht nur sie erleben weltweit ein Wechselbad der Gefühle. Zum einen wächst die Zahl der Christen und die Kirche jubelt. Gleichzeitig erlebt sie Krise um Krise.

Im Aufbruch und voller Hoffnung

Tausende begeisterte Jugendliche jubelten Papst Franziskus i n Panama beim Weltjugendtag zu. Die deutsche Gruppe rangierte nach Polen zahlenmäßig auf Rang zwei. Jugendbischof Stefan Oster resümierte dankbar: „Die Teilnehmer erfahren sich als Glaubensgeschwister, das führt zu offenen Herzen".

Papst Franziskus eroberte wenige Tage nach seiner Rückkehr von Mittelamerika die Herzen vieler Menschen, als er als erster Papst der Geschichte die arabische Halbinsel besuchte. Christen, Muslimen und Hindus waren glücklich über sein Kommen in die Vereinigten Arabischen Emirate. Das Erste Deutsche Fernsehen kommentierte anerkennend den Auftritt des Papstes in Abu Dhabi anerkennend: „Bei seinem Besuch in den Emiraten ist Papst Franziskus ungewohnt direkt aufgetreten. Unter anderem kritisierte er offen den Krieg im Jemen, an dem das Gastgeberland beteiligt ist.“

Aber es ist nicht nur der Papst, der Hoffnung macht – trotz vieler Kritiker in den eigenen, besonders in den vatikanischen Reihen. Selbst wenn das Christentum auf der Nordhalbkugel unter Druck steht und immer weniger Zulauf und Einfluss hat, in den anderen Teilen der Welt sieht es besser aus. Die katholische Kirche wächst in den asiatischen und afrikanischen Ländern. Selbst in den Ländern mit den härtesten Diktaturen und Christenverfolgungen wie Nordvietnam und China bekennen sich  immer mehr Menschen zu Christus.

Hilflos und ratlos

Gleichzeitig bekommt die katholische Kirche viel Gegenwind: So viele Christenverfolgungen weltweit wie heute hat es noch nie gegeben. Die Zahl der Märtyrer ist auf einem Höchststand. Zeitgleich erzeugen kriminelle Missbrauchsskandale in aller Welt schlimme Schlagzeilen. Klerikalismus und geistiger Machtmissbrauch produzieren Kopfschütteln. Viele Christen diskutieren nicht mehr lange, sondern stimmen mit den Füßen ab und gehen.

Die Bischofskonferenzen in aller Welt scheinen überfordert zu sein, den Abwärtstrend Einhalt zu gebieten. Auch in der Deutschen Bischofskonferenz läuft es nicht rund. Bischöfe widersprechen sich in aller Öffentlichkeit. Die führenden Persönlichkeiten im kirchlich-öffentlichen Leben produzieren oft einen Pastoralplan nach dem anderen. Der eine ist noch nicht verteilt und schon ist er von der aktuellen Entwicklung überholt.

In den Bistümern werden wegen Personal- und Geldmangel Pfarreien im großen Stil zusammen-gelegt. Die pastoralen Räume werden immer unüberschaubarer  und anonymer. In der Diözese Essen zum Beispiel werden in einer Großpfarrei von acht Kirchen ihres Terrains sieben geschlossen. Ein Redakteur einer katholischen Zeitung beschrieb so die Folgen: „Eine Schleimspur des Protestes und der Kirchenaustritte zieht sich durch unser Bistum.“ Im Bistum Aachen, der Heimatdiözese des Mutterhauses der Communio in Christo, ist es nicht ganz so schlimm, aber auch nicht rosig. Es scheint momentan im europäischen Kontext keine Insel im Meer des christlichen Rückschritts zu geben.
Mutter Marie Therese hatte – besonders gegen Ende ihres Lebens – die auf die Welt zukommende Endzeit der Geschichte im Blick. Papst Franziskus wird nicht müde, für eine arme Kirche zu plädieren und Armut und Bescheidenheit vorzuleben. Arm nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch, und dies besonders in den reichen Ländern der Nordhalbkugel, im übertragenen Sinn: Die Kirche wird immer ärmer, weil sie immer mehr an Macht, Einfluss und Privilegien verliert.

Barmherzig und damit gerecht

„Barmherzigkeit verändert die Welt, macht sie weniger kühl und gerechter“, sagte er am Heiligen Abend 2013. „Gott ist ein geduldiger Vater, der immer auf uns wartet. Er respektiert unsere Freiheit, bleibt selbst aber immer treu. Wenn wir zu ihm zurückkehren, empfängt er uns wie Söhne in seinem Haus. Er hört nie auf – nicht einmal für einen Moment, uns in Liebe zu erwarten. … Die Kirche ist nicht Herrin der Vergebung. Sie ist Dienerin der Barmherzigkeit. Und sie freut sich jedes Mal, wenn sie dieses göttliche Geschenk weitergeben kann.“

Wenn Gott in früheren Jahrzehnten von den Kanzeln der Gotteshäuser mehr als Richter verkündigt wurde, der im Zeichen seiner Gerechtigkeit Sünder bestraft und mit der Hölle bedroht, betont Franziskus und mit ihm viele Bischöfe, Theologen und Priester unermüdlich einen Gott, der uns Menschen in aller Armut mit dem Reichtum seiner Barmherzigkeit entgegen kommt. In der Menschwerdung seines Sohnes, in dessen Tod und Auferstehung hat Gott alles gut gemacht: „Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.“ (Kol 2,14)

Mutter Marie Therese war in ihrem außerordentlichen Charisma durchdrungen von dem Bekenntnis eines unbedingt gerechten, weil barmherzigen Gottes. Die frohe Botschaft vom guten Schächer am Kreuz neben Jesus, dem der Herr im Angesicht der gerechten Strafe für dessen Verbrechen und Missetaten das Paradies „noch heute“ verspricht, war eine Schlüsselstelle in ihrer Verkündigung.     
Gott hat das Missratene und Verbogene in uns aufgerichtet und gerade gemacht. Er hat das Unrichtige richtig und in diesem Sinne gerecht gemacht. Er hat mit seiner erlösenden, Heil und Heilung stiftenden Liebe und Barmherzigkeit uns zu sich emporgehoben und uns an seinem göttlichen Leben teilhaben lassen. Seine Gerechtigkeit ist die Barmherzigkeit.

Je mehr Mutter Marie Therese in ihrem geistgewirkten Wachstum die mystische Vereinigung mit Christus geschenkt bekommen hat, umso überzeugter wurde sie davon, dass die unerschöpfliche und erlösende Liebe Gottes in Christus Jesus allen Menschen den Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott und zur endgültigen Erlösung eröffnet hat. Alle Menschen sind gerettet. Denn Gottes Barmherzigkeit ist unerschöpflich.

Mutter Marie Therese: „Ich erlebe bis ins Tiefste die Willenseinheit mit dem Vater mit einer Liebe, die zu mir sagt: … Ihr werdet leben bis in Ewigkeit, ungeachtet dessen, was Ihr seid oder was Ihr mir, Eurem Gott, angetan habt. Ich hole Euch in das Jenseits und schütze Euch vor jeder Bedrohung. Ich will nicht, dass Ihr für immer in den Tod gerissen werdet . . . ich will nicht, dass Eure Verzweiflung meine Liebe übersteigt.“ Jesus wünscht uns „Leben in Fülle“ (Joh 10,10). Die Barmherzigkeit Gottes endet nie bis zum dem Punkt, an dem die ganze Schöpfung zum Neuen Himmel und zur Neuen Erde wird am Ende der Zeiten. Dort siegt nur noch die Liebe.

 
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