"Hier lebt man gerne"

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„Um Punkt zwölf Uhr mittags läuteten alle Kirchenglocken von Antweiler bis Weyer (…) Es gab fünf Zentner Sauerbraten am Spieß, die Stimmung war gut, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl längst noch nicht so ausgeprägt wie heute.“ Mit diesen Worten beschrieb Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick jetzt beim Neujahrsempfang, an dem auch eine Delegation der Communio teilnahm, den 3. Oktober 1975, an dem Mechernich die Stadtrechte erhielt.

„Sein Name wird immer mit der Verleihung der Stadtrechte verbunden bleiben“, dankte der Bürgermeister Helmut Weber (rechts), hier mit Communio-Generalsuperior Karl-Heinz Haus. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Ein wichtiger Mitkämpfer in Sachen Stadtwerdung sei Helmut Weber gewesen, berichtete der Bürgermeister mit Blick auf den Zeitzeugen im Publikum, der damals Kreistagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der Mechernicher FDP war. Weber hatte dank seiner Hartnäckigkeit unter anderem Otto Graf Lambsdorff dazu gewinnen können, sich für das Mechernicher Anliegen einzusetzen. Später legte Helmut Weber alle seine Ämter nieder, um sich ganz dem Aufbau des Ordens Communio in Christo sowie seiner Pflegeeinrichtungen in Mechernich widmen zu können. Neben ihm waren von der Communio auch Generalsuperior Karl-Heinz Haus, Geschäftsführer Norbert Arnold und Heimleiterin Ulrike Müller Gäste beim Neujahrsempfang. Dr. Schick: „An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Helmut Weber. Sein Name wird immer mit der Verleihung der Stadtrechte verbunden bleiben.“ So wie wohl auch die Communio in Christo für den Bürgermeister unabdingbar zu „seiner“ Stadt gehört. Noch beim jüngsten Ordensgedenktag der Communio im vergangenen November sagte Dr. Schick in seinem Grußwort: „Wir sind sehr froh, die Communio hier in Mechernich zu haben.“

Dass sich die Stadtwerdung in diesem Jahr zum 40. Mal jährt, nahm der Bürgermeister zum Anlass, die Mechernicher Geschichte von damals bis heute nachzuzeichnen. Dabei bot Dr. Schick nicht nur jede Menge von Bildern untermalter Fakten, sondern hatte auch das ein oder andere Anekdötchen auf Lager. Musikalisch eingerahmt wurde die Veranstaltung vom Jazzmusiker André Nendza aus Eiserfey. Mit seiner Band „Tria Lingvo“ ist Nendza Gewinner des „Neuen Deutschen Jazzpreises 2014“.

Zeitzeugen und politische Vertreter

Sie saßen auch beim Festakt vor 40 Jahren im Publikum: Der damalige Oberkreisdirektor Dr. Karl-Heinz Decker (rechts) und der ehemalige Ratsherr Eckard Böhlke. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

„In dieser Aula überreichte NRW-Innenminister Dr. Burkhard Hirsch bei einem Festakt die Urkunde über die Verleihung der Stadtrechte an den damaligen Bürgermeister Peter Giesen“, so Dr. Schick beim Neujahrsempfang, der auch diesmal in der Aula des städtischen Gymnasiums „Am Turmhof“ stattfand. Einige der nun anwesenden über 420 Gäste waren damals auch dabei. Als Ehrengäste bereicherten sowohl der frühere Oberkreisdirektor Dr. Karl Heinz Decker als auch drei „politische“ Zeitzeugen die Veranstaltung: Ehrenbürgermeister Heinz Kehmeier, der Stadtdirektor a.D. Bernhard Wachter, die ehemaligen Ratsherren Helmut Weber und Eckard Böhlke sowie der frühere Amtsleiter in der Mechernicher Verwaltung, Dieter Ferber, haben die ersten Jahrzehnte der jungen Stadt am Bleiberg eng begleitet.

Gefolgt waren der Einladung des Bürgermeisters auch zahlreiche politische Vertreter saßen im Publikum, darunter die Bundestagsabgeordneten Helga Kühn-Mengel und Detlef Seif, der Landtagsabgeordnete Klaus Voussem, Landrat Günter Rosenke und sein Allgemeiner Vertreter Manfred Poth, die stellvertretenden Bürgermeister Peter Wassong und Wolfgang Weilerswist sowie zahlreiche Mechernicher Fraktionsvorsitzende und Stadtverordnete. Nicht fehlen durfte auch der Kommandant des Materialdepot Mechernich, Oberstleutnant Dietmar Brüders, als Vertreter der Bundeswehr, die die Stadtgeschichte in den vergangenen Jahrzehnten erheblich mitgeprägt hat.

 

„Wir-Gefühl“ musste sich erst entwickeln

„Das Wir-Gefühl musste 1975 noch angeheizt werden“, berichtete Dr. Schick. Zumal das Gerücht, die neue Stadtkette für den Bürgermeister habe 10.000 D-Mark gekostet, für böses Blut gesorgt habe. Stadtkämmerer Richard Husch konnte zum Glück belegen, dass es nur 2500 D-Mark waren. Dr. Schick: „Damals lautete das Motto »gemeinsam Stadt sein«, heute sind wir es.“ Dass es überhaupt zur Stadtwerdung kam, so der Bürgermeister, sei unter anderem dem im November verstorbenen ehemaligen Stadtdirektor Helmut Rosen zu verdanken. Er hatte das Verfahren mit der Unterstützung aller Fraktionen federführend vorangetrieben. Dr. Schick bezeichnete ihn als den „geistigen Initiatoren des Antrags auf Stadtwerdung“.

Der Einsatz aller - auch in den folgenden Jahrzehnten - hat sich gelohnt, so der Bürgermeister: „Mechernich steht heute als zweitgrößte Stadt da, mit ordentlicher Infrastruktur wir sind eine regionale Schulstadt, deren Bedeutung mit der Gesamtschule noch weiter zunimmt, Garnison, Klinik- und Ärztestadt für eine weite Umgebung und viele Städte und Gemeinden, wir verfügen über zwei Bahnhöfe, zwei Autobahnanschlüsse und eine Menge Einkaufsmöglichkeiten und florierende Gewerbegebiete.“ Zudem, so Dr. Schick, sei Mechernich „gleichzeitig mit einmaligen Naturschönheiten und Erholungsmöglichkeiten ausgestattet“.

Schwärzester Tag der Lokalgeschichte

Dass sich die Stadtwerdung in diesem Jahr zum 40. Mal jährt, nahm Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick beim Neujahrsempfang zum Anlass, die Mechernicher Geschichte von damals bis heute nachzuzeichnen. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Das war nicht immer so, wie Dr. Schicks Blick auf die überraschende Schließung des Mechernicher Bergwerks im Jahr 1957 dokumentierte: „Der schwärzeste Tag in der Lokalgeschichte, dessen Folgen noch nicht überwunden waren, als dem früheren Bergarbeiterdorf Mechernich 1975 die Stadtrechte verliehen wurden.“ 1000 Familien hätten damals von heute auf morgen ihre Erwerbsgrundlage verloren.“ Nichts zuletzt auch der Stadtwerdung, den einhergehenden identitätsstiftenden Faktoren und dem Imagegewinn sei es zu verdanken, so Dr. Schick, dass Mechernich sich aus diesem Tief herausarbeiten konnte und heute „immer noch und obwohl es anderswo bereits dramatisch bröckelt“ – eine florierende „Zuzugsstadt“ ist. Mit den Neubürgern und Gewerbeansiedlungen sei die Stadt gewachsen, habe ihr Profil geschärft – und schließlich die Bergwerksschließung tatsächlich überwunden.

Gewerbe- und Neugaugebiete, Schulen und medizinische Versorgung

Voll besetzt war die Aula des Mechernicher Gymnasiums „Am Turmhof“ beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Vorhandene Gewerbegebiete, so der Bürgermeister, garantierten heute wieder Arbeitsplätze vor Ort. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Voll- und Teilzeitbeschäftigten im Mechernicher Stadtgebiet sei von 1996 bis 2011 von 4800 auf 6200 gestiegen. Für Neubürger wurde Wohnraum geschaffen: „Große Neubaugebiete mit Einfamilienhäusern haben den Kernort Richtung Breitenbenden und Kommern expandieren lassen.“ Und: „Über die Baugebiete in Mechernich-Nord und die großen Neubaugebiete am Mechernicher Weg wachsen Mechernich und Kommern zusammen.“ So sei ein geschlossener Siedlungsbereich von bald 12.000 Einwohnern entstanden. Die Sozialstruktur habe sich entgegen dem landes- und kreisweiten Trend nicht nur stabilisiert, sondern positiv entwickelt.

Gelingen konnte dies nur, weil Mechernich auch „Schulstadt“ ist. Dr. Schick: „Mechernich ist heute ohne Frage mit seiner Schulinfrastruktur und der guten Verkehrsanbindung in der Mitte des Kreises als wichtige Schulstadt für die vor uns liegenden demographischen Veränderungen gerüstet. Einmal mehr mit der neuen Gesamtschule Mechernich-Kall, die den Schülern künftig an einer Schulform alle Abschlüsse ermöglicht.

Auch in der Ortsmitte hat sich Mechernich „zur Stadt“ entwickelt. Bürgermeister Dr. Schick: „Das damalige Sorgenkind der Stadtwerdung, der nicht vorhandene Stadtkern, ist in den zurückliegenden vier Jahrzehnten geschaffen und baulich kontinuierlich fortentwickelt worden. Er hat sich als modernes Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum mit stark anwachsender Kaufkraft- und Kundenbindung etabliert.“ Allem voran der neue Rathauskomplex. Und: „Der neue Bahnhof und die Bahnunterführung haben das städtebaulich langjährige Sorgenkind, nämlich die westliche Einfahrt zur Kernstadt, mit einem modernen Gesicht versehen“, sagte Dr. Schick.

 

„Früher starben die Menschen zu Hause“

Auch eine Delegation der Communio war der Einladung von Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick gefolgt. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Für die Zukunft optimal aufgestellt sei Mechernich auch mit dem hochmodernen Kreiskrankhaus und einer breiten Palette niedergelassener Ärzte. Das Krankenhaus, so Dr. Schick, sei „nicht nur der größte Arbeitgeber der Stadt, sondern für die ärztliche Versorgung des Kreises Euskirchen und der gesamten Nordeifel unverzichtbar.“

Dass Mechernich seinen Bürgern nicht nur infrastrukturell eine Menge bietet, sondern auch eine Stadt mit Herz ist, hob der Bürgermeister besonders hervor: „Ein intaktes Vereinswesen mit über 200 Vereinigungen, Hilfsorganisationen und Dorfgemeinschaften sowie eine vielfältige kulturelle Szene und zahlreiche sportliche Betätigungsmöglichkeiten müssen nicht weiter kommentiert werden.“ Stellvertretend für alle ehrenamtlich getragenen sozialen Einrichtungen nannte der Bürgermeister die Mechernich-Stiftung und die „Tafel“. Die eine wird vom Stadtkämmerer Ralf Claßen geleitet, die andere vom zweiten stellvertretenden Bürgermeister Wolfgang Weilerswist.

„Hier lebt man gerne!“, lautete denn auch das Fazit von Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, mit dem er ein Ausrufezeichen hinter 40 Jahre Stadtgeschichte setzte. Nicht allerdings, ohne auf die große Herausforderung hinzuweisen, der sich auch Mechernich stellen muss: Der demografische Wandel mit drohender Überalterung der Gesellschaft. Auch wenn Mechernich dank des umsichtigen Agierens in der Vergangenheit heute noch gut dastehe, „ist das ein Problem, auf das auch wir uns einstellen müssen“, so der Bürgermeister.

 

 
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