"Für den ganzen Menschen da sein"

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Aus Tansania war Abt Denis Abot Ndomba im Oktober 2014 zu Besuch im Mechernicher Mutterhaus der Communio in Christo. Father Denis hat in den USA Pastoraltheologie studiert und Kurse zum Krankenhausseelsorger absolviert. Heute steht er dem Benediktinerkloster „Mvimwa“ in der Diözese Sumbawanga in Westen von Tansania vor. Im Gespräch berichtet er von seiner Heimat und den Erfahrungen bei der Communio.

Aus Tansania war Abt Denis Abot Ndomba (rechts) gemeinsam mit Father Lawrence (links) zu Besuch in Mechernich bei der Communio in Christo. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Father Denis, wie kann ich mir Ihr Leben in Tansania vorstellen?

Abt Ndomba: Wir sind in der Abtei eine Gemeinschaft von etwa 70 Benediktinern. Unser Hauptanliegen sind die regelmäßigen Gebete und unsere unterschiedlichen Arbeiten.

Welche Arbeiten sind das?

Abt Ndomba: Das Gebiet, in dem wir leben, liegt 60 Kilometer vom nächsten Ort entfernt, das bedeutet, dass wir es auch erst erschlossen haben. Nun können die Menschen dort Bildung erfahren – und dadurch eröffnet sich ihnen die Welt. Wir unterhalten eine Grund- und eine Sekundarschule sowie ein College und eine Berufsschule. Auch kümmern wir uns um die zahlreichen Waisenkinder in unserer Region. Wegen der Armut vor Ort sterben viele Menschen etwa an Malaria und die Kinder bleiben alleine zurück. In solchen Fällen übernimmt die Abtei das Schulgeld, zudem haben wir auch ein Internat, in dem elternlose Kinder leben und lernen können. Besonders kümmern wir uns auch um die Frauen, denn sie sind ungeheuer wichtig für die Familie und auch die ganze Gesellschaft. Ungebildete Frauen bedeuten eine ungebildete Gesellschaft. Wenn die Frauen hingegen Bildung erfahren, geben sie diese auch weiter an ihre Kinder – so kann sich die Gesellschaft verändern.

Was sind, neben der Bildung, weitere Aktivitäten?

Abt Ndomba: Ebenso wichtig ist vor dem Hintergrund der abgelegenen Lage weit entfernt von einem Krankenhaus die Krankenstation mit 19 Betten, die wir betreiben. Zudem betreiben wir Landwirtschaft. Zum einen, um uns selbst zu versorgen. Zum anderen aber auch, um der armen Bevölkerung hier zu zeigen, wie sie selbst Lebensmittel anbauen können. Mittlerweile können wir die ersten Erfolge beobachten: Die Menschen bauen etwa Bananen oder Korn an. Neben der Feld- betreiben wir auch Viehwirtschaft mit Kühen, Ziegen, Schafen und Hühnern. Gerne würden wir auch Wurst und Käse produzieren, aber dazu fehlt uns ein Fachmann, der uns zeigt, wie es geht.

Arbeiten Sie auch im pastoralen Dienst?

Abt Ndomba: Ja, wir sind auch in den Pfarreien aktiv, machen Katechese und  machen Kranken- und Altenbesuche. Es geht also sowohl um körperliche als auch um spirituelle Unterstützung – wir sind für den ganzen Menschen da.

Was, neben der Armut, sind besondere Herausforderungen in ihrer Heimat?

Abt Ndomba: Die Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit haben deutlich zugenommen. Mit diesem Problem müssen wir – als Kirche und Welt – uns auseinandersetzen und mitfühlen. Wir müssen versuchen, dass es diesen Menschen besser geht. Darüber hinaus kämpfen wir ständig um ausreichend Unterstützung für die Armen. Uns fehlen auch ständig dringend benötigte Experten, wie etwa Lehrer, Ärzte und Psychologen. Wir sind ja eine relativ junge Gemeinschaft, das bedeutet, dass wir in vielen Bereichen noch ausbilden müssen. Auch mangelt es an Geräten, Zubehör und Arbeitsmaterial, sei es ein Auto, seien es landwirtschaftliche Maschinen oder Medikamente. Es gibt also noch viel zu tun…

Wie kam Ihr Kontakt zur Communio zustande?

Abt Ndomba: Letztlich über einen meiner Priester, Father Lawrence. Er studierte in Rom und traf in San Anselmo Father Markus. Mit ihm gemeinsam besuchte er später das Mechernicher Mutterhaus und war tief beeindruckt von den Gebeten und dem Dienst am Nächsten, wie er sie bei der Communio erlebt hat. Als er zurückkehrte, berichtete er mir von seinen Erfahrungen und ich war wirklich berührt von der Communio. Besonders bewegt mich der Dienst, den die Mitglieder tun für arme, alte, kranke, leidende und sterbende Menschen. Das hat mich sehr angesprochen, denn es ist auch meine Berufung. Ich fühlte mich der Communio sofort sehr verbunden.

Sehen Sie auch parallelen zwischen den beiden Gründungen, den Benediktinern und der Communio in Christo?

Ja, auch auf den Geist des Heiligen Benedikt, der grundsätzlichen Ausrichtung „pray and work“ sehe ich deutliche Parallelen. Ebenso, wie ich den ganzheitlichen Ansatz, bei dem es gilt, den ganzen Menschen zu sehen, hier bei der Communio wiederfinde. Mehr noch bedeutet dieser Ansatz für uns wie für die Communio, nicht nur den ganzen, sondern  jeden Menschen einzuschließen. Sie alle sind Kreaturen Gottes, die angenommen und unterstützt werden wollen.

In vielen anderen Gemeinschaften die ich kenne, gibt es Separation – etwa aufgrund von Sprachbarrieren. Das erlebe ich hier bei der Communio anders. Die Gemeinschaft ist offen, heißt Fremde ehrlich willkommen und bemüht sich, sie zu verstehen. Wir können sogar problemlos gemeinsam beten. Ich bete dann in meiner Sprache und sie antworten in ihrer. Das ist wichtig, denn so sind wirklich alle Menschen gleich, unabhängig von ihrer Sprache, Nation oder Hautfarbe.

Wie erleben Sie Mutter Marie Therese?

Sie ist einfach eine wunderbare Frau und ich danke dem Heiligen Geist, der sie erhellt und befähigt hat, die Communio in Christo zu gründen. Ihr Charisma ist sehr kraftvoll – nicht nur hier im Mutterhaus.

In der Kirche gibt es viele Priester, die sprechen und schreiben von der Liebe, aber nur wenige, die sie auch wirklich in die Praxis umsetzen können. Mutter Marie Therese aber tat eben dies. Wir predigen viel über Leibe, aber wir wissen wenig darüber. Mutter Marie Therese ist wirklich ein Vorbild dafür, Liebe zu leben. Das spürt man auch, wenn man hier ist. Wenn man die Menschen in den Sozialwerken erlebt. Man kann die Liebe sofort fühlen, wenn man hierher kommt.

 

 
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