Positionierungen Januar 18

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Januar 2018

Gemeinsam unterwegs

Keiner ist gerecht, niemand außer einem, Jesus, ist ohne Sünde. Wenn wir also offensichtlich nicht hundertprozentig „gut“ sein können, umso wichtiger ist die Festlegung einer Lebenslinie. Wir sollten eine Grundsatzentscheidung treffen: Wie willst Du im Großen und Ganzen sein? Wie willst Du eigentlich leben,  auch wenn es Dir vielleicht nicht immer gelingt?

Willst Du andere piesacken, sie mit Anlauf vors Schienbein treten, egoistisch und auf Dich bedacht? Oder willst Du grundsätzlich eher bei den Schwachen und Unterdrückten stehen, Arme unterstützen,  Gemobbte beschützen, pauschal Verurteilte verteidigen, teilen, solidarisch leben?

Eine solche Grundsatzentscheidung ist auch in so genannten „großen Dingen“ unbedingt nötig. Wie positioniere ich mich politisch, wie „vernetze“ ich mich mit Mitmenschen? Wie lebe ich mit anderen zusammen und nicht aneinander vorbei?

Wie stelle ich mich im Kleinen zur „großen“ Weltpolitik? „America first“, jeder für sich und gegen alle anderen? Ausländer raus oder Unterstützung zur Integration von Zugewanderten? Nationalistischer Egoismus oder Solidarität von Mensch zu Menschen ohne Grenzen? Brauchen wir eher die Verteidigung des bedingungslosen Kapitalismus am Hindukusch, die Abschottung der reichen gegen die arme Welt oder doch am Ende besser die Soziale Marktwirtschaft?

Orientierung in einer verwirrenden Welt
Christen haben eine klare Orientierung in diesem Positionierungswirrwarr, wenn sie sie denn nutzen: Gott lieben, indem sie ihren Nächsten lieben. Nicht zerstreuen, sondern zusammensetzen, nicht verdammen, sondern erbarmen, nicht alles an sich reißen, sondern miteinander leben.

Die Kirche ist international, ihr Glaube universell, das christliche Menschenbild kennt keine nationalen, ethnischen und weltanschaulichen Einschränkungen. Die Liebe gilt ausnahmslos jedem.

Doch die Kirche und ihre Mitglieder sind trotz eines beständig dies predigenden Papstes Franziskus schwer gezeichnet vom gesellschaftlichen Wandel, dem neuen Nationalismus und politischer Radikalisierung. Viele fragen sich, ob sie mit ihrem Glauben in dieser verrückten Welt noch bestehen können: Einsam und im Glauben untergehen oder sich dem radikalisierten egoistischen Mainstream anpassen?

Mutter Marie Therese, die Gründerin der Communio in Christo (8. Dezember 1984), hat drei Jahre zuvor mit der Schaffung der „Kollektiven Gemeinschaft Effata“ (Effata = Öffne Dich) einen konkreten Weg für heute aufgezeigt. Das Geheimnis, nicht nur nackt zu überleben, sondern auch eine gute Grundsatzentscheidung zu treffen und gut zu leben, besteht im Zusammentun mit anderen Menschen guten Willens.

„Gott aber hat es gefallen, die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung zu heiligen und zu retten“, sondern sie zu einem Volk zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll“, hat das Zweite Vatikanische Konzil festgestellt. Mutter Marie Thereses Gründungen bauen auf dieses Konzil, sie sollen seine gottgegebene und geistgewirkte Autorität belegen.

Menschen schließen sich zusammen
Menschen guten Willens schließen sich nach Mutter Marie Thereses Vorstellung in „Kollektiven Gemeinschaften“  zusammen, um sich gegenseitig im Glauben zu bestärken und daraus zu leben. Ihr konziliarer Grundton ist dabei der gleiche wie bei den in der Kirche Afrikas entstandenen „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, in denen Menschen ihr Leben, ihren Glauben und, wo Not am Mann (und an Frau und Kindern) ist, auch ihre wirtschaftlichen Güter miteinander zu teilen.

„Sie hatten alles gemeinsam“ konstatiert schon Lukas in der  „Apostelgeschichte“ über die ersten Christen. Mutter Marie Therese schreibt in ihrem Statut zur Gründung der „Kollektiven Gemeinschaft Effata“ am 13. September 1981 in der Unterkirche der Steyler Missionare, der Christ habe „die Pflicht, sich aus seinem menschlichen Egoismus loszureißen und sich aus Taten der Liebe“ gewissermaßen neu zusammenzusetzen.

Das kollektive Zusammengehen und Zusammenhalten in solchen familiären Gemeinschaften sei nicht nur eine Basis gegen Verzweiflung und Untergang, sondern auch „Zeugnis von der Existenz des Himmels in dieser Welt“. Es gehe nicht darum, „in erster Linie auf die eigene Sicherheit bedacht“ zu sein, sondern sich in den Dienst des Nächsten zu stellen.

Dazu müssen die Mitglieder der Gemeinschaft nicht im räumlichen Sinne zusammenziehen und zusammenleben. Regelmäßige Treffen mit Bibelteilen und gegenseitiger Beratung, Mutmachen und auch Hilfestellung bilden eine auch in einer modernen westlichen Gesellschaft lebbare Grundlage kollektiver Gemeinschaft.

Kein Zwang, Zusammenhalten muss man wollen
Von den sich in der „Kollektiven Gemeinschaft Effata“ zusammenschließenden Menschen verlange Christus, „dass wir vorbehaltlos offenstehen für die Not des anderen“, „dass wir nicht in erster Linie das Geld für uns verausgaben“, sondern „Raum für andere zu schaffen“, auch für Schwerstkranke, Pflegebedürftige, Verzweifelte, Hungernde, Drogenabhängige.

Nach dem Vorbild der „Kollektiven Gemeinschaft Effata“ lebt auch der Konvent im Mutterhaus der Communio in Christo in Mechernich und Blankenheim zusammen – Tür an Tür mit über 200 Alten, aber auch mit teils sehr jungen schwersthilfebedürftigen chronisch Kranken und Sterbenden. Nach dem Vorbild der „Kollektiven Gemeinschaften“ haben Laien, Schwestern und Priester, die sich der Communio in Christo angeschlossen haben, Gruppen in der ganzen Welt aufgebaut.

Die vom Heiligen Geist inspirierte Mutter Marie Therese behauptet nicht, dass sich „Kollektive Gemeinschaften“ auf einen leichten Weg machen: „Der Aufstieg zu Gott geschieht nicht geradlinig, sondern ist gekennzeichnet von Fallen und Aufstehen“. Wirklich besser werde alles nur, „wenn wir zusammengehen wollen“. Sparprogramme und Sozialisierung seien dann kein Zwang mehr, sondern freier Wille zum Überleben und „Freude und Hoffnung“ in einer untergehenden Welt.

 
www.communio-in-christo.deOrden Communio in Christo: Bruchgasse 14, 53894 Mechernich
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