Warum ein neuer Orden? - Entstehung


Zeiten der Krisen erfordern besondere Programme zu ihrer Bewältigung. In der Geschichte der Kirche war das nicht anders. In entscheidenden Augenblicken standen Menschen auf, die Wege aus der Krise wiesen. Sie beriefen sich bei ihrer Wegweisung nicht auf eigene Leitlinien und Aktivitäten, sondern auf göttliche Eingebung. Es waren charismatische Menschen, aus denen der Geist Gottes sprach, denen Gott selbst den Anstoß zur Überwindung der Schwierigkeiten gab.

Anlässe für die Geburtsstunden der Orden waren kritische Situationen in der Kirche, vor allem dann, wenn die Einheit in der Kirche in Gefahr war, wenn theologische Auseinandersetzungen, Spaltungen, Verweltlichung, religiöse Oberflächlichkeit das geistliche Leben der Kirche bedrohten.

Auch heute erleben wir in der Kirche eine Zeit der Krise, der Spaltung, des Umbruchs und der Zeitenwende. Die Notwendigkeit der Neuorientierung und geistlichen Ausrichtung beantwortete Papst Johannes XXIII. mit der Einladung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das, wie Papst Johannes Paul II. erklärte, als Ereignis des Heiligen Geistes auf eine göttliche Eingebung zurückging: "Mit vollem Recht kann der Heilige Geist als zentrale Kraft des Konzils bezeichnet werden", zitierte der Osservatore Romano noch am 15. Juni 2001 den Papst. "Seitdem ist eine neue Blütezeit der Zusammenschlüsse von Laien angebrochen, in der neue geistliche Bewegungen und Vereinigungen mit weltweitem Charakter entstanden sind" (vgl. Apostolisches Schreiben Christifideles Laici, 29). Geistliche Bewegungen - also kein neuer Orden, wie er in kirchlichen Krisenzeiten der Vergangenheit entstand? Offensichtlich rechnete niemand mehr in der Kirche mit der Gründung eines Ordens. Die Zeit der großen weltbewegenden Orden schien vielmehr vorbei zu sein, nachdem an ihre Stelle charismatische Gemeinschaften und geistliche Bewegungen getreten waren.


Um so überraschender muss die Gründung des Ordens Communio in Christo durch Mutter Marie Therese am 8. Dezember 1984 auf die kirchliche Öffentlichkeit gewirkt haben. Mutter Marie Therese vollzog diese Gründung in einer zur Reife gelangten Gewissensentscheidung und im Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes.

Sie sah diese Gründung als Konsequenz des Zweiten Vatikanischen Konzils und "als Verwirklichung der Konzilsbeschlüsse und als machtvolles Zeichen des Wirkens Gottes in der Welt."

Dass sie richtig gehandelt hat, bestätigt eine Aussage von Kardinal Ratzinger, dem Präfekten der Glaubenskongregation: "Man kann Ordensgründungen nicht künstlich schaffen. Ich kann jemand zu einem Aufsichtsratsvorsitzenden ernennen oder auch in der Kirche eine Funktion zuteilen, aber die Gründung eines Ordens muss aus einem inneren geistigen Ruf kommen. Da endet gleichsam die Macht der Kirche, und die des Heiligen Geistes beginnt. Dann aber muss die Kirche offen sein, dem Raum zu geben." (Interview mit Kardinal Ratzinger in "Welt am Sonntag", 4. April 1999).

Warum also ein neuer Orden?

Mutter Marie Therese beantwortete diese Frage in ihrer Ordensregel:

Weil Gott es will.
Für die Gemeinschaft in Christus.
Für die Glaubwürdigkeit der Kirche.
Für die Einheit unter den Geschöpfen.
Zur Erfüllung des Gesetzes durch die Liebe.
Für die Verwirklichung der Konzilsbeschlüsse.

Gott will in diesem Orden seine Gegenwart sichtbar machen. Er will über die Communio in Christo zu allen Menschen gelangen, um alle mit seiner Gnade zu erreichen (Ordensregel der Communio in Christo, 46 f.).
Die Communio in Christo ist ein Orden im Dienste Gottes und des Nächsten mit dem einzigen Ziel der Verwirklichung des Reiches Gottes.

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